{"id":546,"date":"2022-04-28T16:10:25","date_gmt":"2022-04-28T14:10:25","guid":{"rendered":"https:\/\/weblog.igler.at\/?p=546"},"modified":"2022-04-28T16:10:25","modified_gmt":"2022-04-28T14:10:25","slug":"der-allrussische-traum-oder-was-treibt-putin-wirklich-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/weblog.igler.at\/?p=546","title":{"rendered":"Der allrussische Traum oder Was treibt Putin wirklich an?"},"content":{"rendered":"\n<p><strong><em>Nachfolgend der Text eines Vortrags von mir am 16.4.22 auf der DiVOC22 &#8222;Bridging Bubbles&#8220; des CCC Hamburg. <\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es ist schon ungef\u00e4hr drei\u00dfig Jahre her, da begab ich mich f\u00fcr eine Reportage in die russische Stadt Nischnij Nowgorod, auf der Suche nach der \u201eRussischen Seele\u201c, der <em>duscha russkaja<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Mitgebracht habe ich von dort zwei Dinge: Eine Reihe von wundersch\u00f6nen, aber unglaublich deprimierenden Schwarzwei\u00df-Fotos zum postsowjetischem Verfall einer sch\u00f6nen, alten russischen Stadt. Und ein Interview mit einem j\u00fcdischen Philosophieprofessor, das in dem Satz gipfelte: \u201eWir haben euren Faschismus besiegt. Um den Preis, dass wir unseren am Leben gelassen haben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Einigen wir uns f\u00fcr diesen Vortrag darauf, Faschismus zu definieren als Ultranationalismus, gepaart mit F\u00fchrerprinzip, Ablehnung demokratischer Prinzipien sowie dem Primat der Gruppe \u00fcber das Individuum. Ich habe bewusst nicht \u201eantikommunistisch\u201c hinzugef\u00fcgt, weil das nur auf die faschistischen Bewegungen des 20. Jahrhunderts zutr\u00e4fe. Und selbst da sind die Grenzen verschwommen: Marx war sicher kein Faschist, Lenin h\u00f6chstwahrscheinlich nicht, Stalin hinwieder ganz sicher.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt machen wir erst einmal einen kurzen historischen Exkurs.<\/p>\n\n\n\n<p>N\u00e4mlich weil das mit die Geschichte \u2013 also erstens ist es wie \u00fcberall kompliziert, und zweitens haben wir das in der Schule ja nicht gelernt und daher hat kaum wer Ahnung davon. W\u00e4re aber praktisch, denn es erkl\u00e4rt sehr viel von dem, was da gerade in der Ukraine abgeht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wikinger \u2013 ja, tats\u00e4chlich, die \u2013 sind als ebenso unternehmungslustig wie reisefreudig bekannt, und das nicht nur nach Westen, wo Eric der Rote bis nach Neufundland kam, sondern auch nach Osten. Dort fuhren sie auf Fl\u00fcssen wie Dnjestr und Dnjepr mit ihren Drachenschiffen von Skandinavien bis an das Schwarze Meer und begr\u00fcndeten dabei eine Reihe von St\u00e4dten als Handelsniederlassungen, respektive trieben mit den St\u00e4dten, die sie schon vorfanden, Handel. Man nennt diese Wikinger auch War\u00e4ger, angeblich sind sie f\u00fcr die unpackbar blauen Augen sowie das leuchtende Strohblond der Ukrainerinnen verantwortlich, oder so \u00e4hnlich. So weit die Fakten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Mythos erz\u00e4hlt von einem Stamm der Wikinger, der sich Rus nannte. Von denen gibt\u2019s aber keine geschichtlichen Bezeugungen, also gibt es sie erst mal offiziell nicht. Was die Rus oder War\u00e4ger oder wen auch immer, nicht davon abh\u00e4lt, ab dem neunten Jahrhundert als Kiewer Rus aufzutreten, als Gro\u00dfreich der Slawen so in etwa dort, wo die heutige Ukraine ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Mythos erz\u00e4hlt von zehn weisen M\u00e4nnern, die in einem goldenen Boot den Dnjepr herunterkommen und in der Stadt Kiew an Land gehen, um dort auf den sieben H\u00fcgeln der Stadt das neue (orthodoxe a.k.a rechtgl\u00e4ubige) Rom zu gr\u00fcnden (bzw. wieder zu errichten).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Geschichte wieder wei\u00df, dass der war\u00e4gische Gro\u00dff\u00fcrst Wladimir I. Swjatoslawitsch 899 in Kiew zum byzantinisch-orthodoxen Christentum konvertierte, weshalb ihn die Russen den Heiligen nennen und in Kiew die Wiege ihrer Nation sehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist ein wichtiger Punkt: Tats\u00e4chlich sind die Geschichte von Kiew und Moskau eng miteinander verbunden.<\/p>\n\n\n\n<p>1240 fiel Kiew, die Goldene Pforte, im Zuge der mongolischen Invasion, das ist auch das Ende der Kiewer Rus. Erst dreihundert Jahre sp\u00e4ter eroberte Iwan IV, Gro\u00dff\u00fcrst von Moskau, die tartarischen Khanate Khasan und Astrachan und legte damit den Grundstein zu einem modernen russischen Gro\u00dfreich. Die Geschichte dankte es ihm, indem sie ihn den \u201eSchrecklichen\u201c nannte, wobei die \u00dcbersetzung fehlerhaft ist, denn die Russen nennen ihn <em>groznyj<\/em>, was der \u201eDrohende\u201c, der \u201eStrenge\u201c, \u201eder zu Respektierende\u201c bedeutet, wahrscheinlich ist das \u201eschrecklich\u201c ein fr\u00fcher PR-Spin (katholischer) europ\u00e4ischer F\u00fcrstenh\u00f6fe, gegen\u00fcber dem neuen Mitspieler, der noch dazu die \u201efalsche\u201c Religion hatte. However.<\/p>\n\n\n\n<p>Jedenfalls versteht die russische Geschichtsschreibung Moskau seither als legitime Nachfolgerin der Kiever Rus, konsequenterweise nannten sich die Zaren seit Iwan \u201eHerrscher aller Russen\u201c und meinten damit auch Kiew und Minsk, also die Ukraine und Wei\u00dfrussland.<\/p>\n\n\n\n<p>Und Kiew selber? Versank nach dem Tartarensturm in die Mittelm\u00e4ssigkeit und wurde erst eine Provinzstadt der litauischen Gro\u00dff\u00fcrsten und sp\u00e4ter eine ebensolche im K\u00f6nigreich Polen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Polen waren katholisch, die lokalen Ruthenen orthodox, das klingt nach \u00c4rger, und so war es auch. Wobei die anti-polnischen Bewegungen nichts von Unabh\u00e4ngigkeit redeten, sondern von der Vereinigung mit dem russischen Mutterland. Das gelang auch unter dem Hetmann der Kosaken Bogdan Chmelnitzkij, dieser besiegte in mehreren Schlachten diverse polnische Heere, meuchelte bei der Gelegenheit auch ein F\u00fcnftel der (damaligen) ukrainischen Juden, um schlie\u00dflich 1654 den Zusammenschluss des Kosakenstaates mit dem russischen Zarenreich zu feiern.<\/p>\n\n\n\n<p>Seither ist Kiew \u201ewieder\u201c russisch, denn Chmelnitzkij verstand sich als Russe. Von \u201eukrainischem\u201c Nationalismus war da weit und breit noch nichts zu sehen und zu h\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Martti J. Kari ist Finne und pensionierter Oberst des Geheimdienstes der finnischen Streitkr\u00e4fte und lehrt an der Universit\u00e4t von Helsinki: \u201eIch habe mich mein ganzes Leben lang mit Russland und der russischen Sicht der Welt auseinandergesetzt\u201c. F\u00fcr ihn sind vor allem die dreihundert Jahre tartarischer Herrschaft ein Schl\u00fcssel. Ich kann leider kein Wort Finnisch, aber die Untertitel \u00fcbersetzen es mit \u201ea completly lawless period\u201c,&nbsp; eine v\u00f6llig gesetzlose Zeit. Das bedeutet gleichzeitig: Der St\u00e4rkere gewinnt. Und dieses Prinzip habe sich, so Oberst Kari, im Denken und Handeln Russlands bis heute festgeschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Kurzer Exkurs zur Religion: Als sich das Christentum 1054 in eine West- und eine Ostkirche spaltete, ging es, neben Fragen des Ritus und der p\u00e4pstlichen Machtbefugnisse, auch um etwas Grunds\u00e4tzliches, n\u00e4mlich ob man sich G*tt mit menschlichen Methoden (vor allem denen der Vernunft) n\u00e4hern d\u00fcrfe, oder ob G*tt ein Mysterium sei, dem eins sich widerspruchslos unterwerfen soll\/muss. Die westliche Welt entwickelte konsequenterweise die Jesuiten und J\u00fcrgen Habermas, die Ostkirchen verharren bis heute in einem tiefen Mystizismus. Demzufolge ist rationell denken im Zweifelsfall s\u00fcndhaft. Das zieht sich bis heute durch alle Gesellschaftsschichten, l\u00e4ppische siebzig Jahre sowjetischer Antiklerikalismus haben da wenig bewirkt. Und was den aufkl\u00e4rerischen Anspruch im Sozialismus betrifft: Der ging, samt Sozialismus, schon bei Stalin fl\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zaren verstanden sich als g*ttgesandt und daher als unfehlbar. In dem Augenblick, in dem der Zar gekr\u00f6nt wird, bekommt er von G*tt die Gnade und die Erleuchtung, das Richtige zu tun. Und wenn er einen Fehler macht, dann ist es niemals des Zaren Schuld, sondern immer die seiner Untergebenen, der \u201eBojaren\u201c, der Hofadel, der das Gros der Verwaltung stellte. Und G*tt ist selbstverst\u00e4ndlich Russe, denn die orthodoxe Kirche ist eine Staatskirche und untrennbar mit der Macht verbunden. Dabei ist sie zutiefst konservativ, machtdevot und staatsgl\u00e4ubig \u2013 Autorit\u00e4t wird von G*tt verliehen, sie in Frage zu stellen ist eine S\u00fcnde.<\/p>\n\n\n\n<p>Man kann es auch in historischen Dimensionen erkl\u00e4ren: Die Aufkl\u00e4rung, von Locke, Hobbes, Hume, von Erasmus und Descartes und Montesquieu und wie sie alle hei\u00dfen, all die Denker, aus deren Gedanken die Grundlagen unserer modernen Staatsideologie hervorgegangen sind, kommen in der russischen Geschichte nicht vor, weder im Original noch in der \u00dcbersetzung noch in einem lokalen \u00c4quivalent oder sonst etwas. Bis tief ins 19. Jahrhundert hinein sind die \u00fcberwiegende Mehrheit der russischen Bev\u00f6lkerung Leibeigene, also de facto Sklaven, mit einer d\u00fcnnen Oberschicht der Adeligen. Kurzum: Die europ\u00e4ische Aufkl\u00e4rung hat hier nie statt gefunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Und die Industrialisierung in Russland erfolgte in Wirklichkeit erst durch die Bolschewiki, wie im ber\u00fchmten Satz von Lenin auf dem VIII. Gesamtrussischen Sowjetkongress am 22. Dezember 1920 festgehalten: \u201eKommunismus ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sowjetmacht und nach ihr auch Wladimir Putin haben, neben dem Anspruch als \u201eallrussische\u201c Herrschaftsmacht, auch die imperialistischen Anspr\u00fcche des Zarentums \u00fcbernommen, ebenso wie auch den Anspruch der Unfehlbarkeit (\u201eDie Partei hat immer Recht.\u201c) Der Panslawismus, eine Idee vor allem aus dem 19. Jahrhundert aus der Hexenk\u00fcche des Nationalismus, sieht die Slawen \u2013 also alle, Bulgaren, Serben, Slowaken \u2013 als ein einziges Volk, vereint im rechtm\u00e4\u00dfigen Glauben, und die Russen sind dazu ausersehen, sie zu sch\u00fctzen und zu verteidigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dabei ist, so der finnische Oberst Kari, am Ende jedes Mittel recht, selbstverst\u00e4ndlich auch die rohe Gewalt, der Vertragsbruch, was immer der Glorie Russlands und dem Erhalt und der Fortf\u00fchrung derselben dient. So predigt das dann auch der Pope in der Kirche.<\/p>\n\n\n\n<p>1917 ist gro\u00dfe Z\u00e4sur in der russischen Geschichte: erst der Sturm auf dem Winterpalast und die b\u00fcrgerliche Revolution, dann der bolschewistische Putsch und acht Jahre B\u00fcrgerkrieg. Um 1920 waren mehr als zwei Millionen Russen ins benachbarte Ausland geflohen, die meisten von ihnen Adelige oder Intellektuelle. Es ist die bis dahin gr\u00f6\u00dfte Fl\u00fcchtlingsbewegung Europas.<\/p>\n\n\n\n<p>Einer von ihnen, Nikolaj Sergejewitsch Trubezkoj, war schon vor seiner Flucht angesehener Linguist in Moskau. Er schrieb 1920 im Exil: \u201eEs gibt nur einen wahren Gegensatz: die Romanogermanen und die \u00fcbrigen V\u00f6lker der Welt, Europa und die Menschheit.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Moment, ich erkl\u00e4re das gleich.<\/p>\n\n\n\n<p>1921 erschien dazu der erkl\u00e4rende Sammelband \u201eExodus nach Osten\u201c in einem russischen Exilverlag im bulgarischen Sofia. Der Band enthielt Aufs\u00e4tze von Trubezkoj sowie des Theologen Georgi Florowski, des Geographen, \u00d6konomen und Philosophen Pjotr Sawizki sowie des Musikologen Pjotr Suwtschinski. Die Autoren entwickelten darin ein Konzept, dem sie die Bezeichnung <em>Jewrasijstwo<\/em> gaben, das l\u00e4sst sich in etwa mit \u201eEurasismus\u201c oder \u201eEurasianimus\u201c \u00fcbersetzen. Diese geopolitische Ideologie behauptet, dass ein von Russland dominierter, zwischen Europa und Asien befindlicher \u201eKontinent Eurasien\u201c in einem fundamentalen Gegensatz zur \u201eromano-germanisch\u201c gepr\u00e4gten westlichen Welt stehe.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser \u201eKontinent Eurasien\u201c deckt sich in ungef\u00e4hr mit dem Territorium des zaristischen Gro\u00dfreiches. Westliche Kultur wird nicht per se abgelehnt, jedoch als f\u00fcr Russland ungeeignet erachtet, da ihr das spirituelle Element fehlt. Der Bolschewismus wird als \u201eabscheulich\u201c zur\u00fcckgewiesen; die Exzesse im russischen B\u00fcrgerkrieg h\u00e4tten seine \u201egeistige Armut\u201c (<em>duchownoje uboschestwo<\/em>) gezeigt, aber auch die \u201erettende Kraft der Religion\u201c hervortreten lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ziel der Eurasier ist die Vereinigung der gro\u00dfen christlichen Kirchen unter F\u00fchrung der russisch-orthodoxen Kirche; der Katholizismus habe die Urgedanken des Christentums verf\u00e4lscht. Auch die Juden seien einzubeziehen, die \u201eorthodoxe j\u00fcdische Kirche\u201c bliebe aber in ihrem Kult eigenst\u00e4ndig. Ein Zar solle \u201ein christlicher Liebe\u201c diesen zu schaffenden \u201eStaat der Weisheit\u201c regieren, in dem alle Nationalit\u00e4ten gleichberechtigt seien. Auch die Ukraine habe ihren Platz in diesem eurasischen Reich zu finden; der Anspruch ukrainischer Nationalisten, zu Europa zu geh\u00f6ren, sei historisch unbegr\u00fcndet. Wichtigster Nachbar Eurasiens sei China. Die geeignete Wirtschaftsform sei eine weiterentwickelte Planwirtschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Extempore: Ich habe ja schon vorhin auf den tiefen Mystizismus in der russischen Kultur hingewiesen, das m\u00f6chte ich hier noch einmal explizit hervorheben. Mystik ist ein untrennbarer Bestandteil des russischen Wesens, deshalb konnten sich auch die feudalen Strukturen so gut erhalten, schlie\u00dflich waren sie ja \u201eg*ttgegeben\u201c und G*tt zweifelt man nicht an. Vielleicht sollte eins noch erw\u00e4hnen, dass es schon in der griechischen Philosophie die Diskussion um den \u201egerechten Tyrannenmord\u201c gibt, auch im R\u00f6mischen Recht ist dieses \u201eRecht auf Widerstand\u201c festgeschrieben. In der Aufkl\u00e4rung wird dieses Recht vor allem beim englischen Philosoph John Locke festgeschrieben, (\u201eDas Volk soll Richter sein\u201c), auf den sich die US-amerikanische Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung explizit beruft.<\/p>\n\n\n\n<p>All das ist dem russischen Selbstverst\u00e4ndnis fremd, um nicht zu sagen wesensfremd. Vielleicht m\u00f6gen die Russen ja deshalb Kant, weil dieser das Recht auf Widerstand ablehnt. Egal, heute steht es in der deutschen Verfassung, f\u00fcr einen gl\u00e4ubigen orthodoxen Russen ist das hart an der G*ttesl\u00e4sterung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die meisten Eurasisten kamen im Gulag um, nur Trubezkoj starb 1938 in Wien.<\/p>\n\n\n\n<p>Ab den f\u00fcnfziger Jahren entwickelte der Geograph und Turkologe Lew Gumiljow die eurasistische Ideologie im Untergrund weiter. Durch die Aufnahme biologistischer Elemente entfernte sich Gumiljow aber von den klassischen Eurasiern. Seine Idee von einer Wiederherstellung eines B\u00fcndnisses zwischen Slawen und Steppenv\u00f6lkern fand erst nach Perestroika und der Aufl\u00f6sung der UdSSR Verbreitung.<\/p>\n\n\n\n<p>Warum erz\u00e4hle ich das alles hier? Ganz einfach: Weil die Eurasisten heute keine fringe-Bewegung mehr sind, sondern im Zentrum der Macht sitzen, und zwar mit dieser Person: Alexander Dugin.<\/p>\n\n\n\n<p>Dugin ist Mitglied des innersten Zirkels um Wladimir Putin und sein spiritueller Beichtvater. Seit den fr\u00fchen Neunzigern vertritt er eine Art Neu-Eurasianismus. Im Gegensatz zur zentralen These des klassischen Eurasismus, dass es einen dritten Kontinent \u201eEurasien\u201c <em>zwischen<\/em> Europa und Asien gebe, versteht Dugin \u201eEurasien\u201c als Europa <em>und<\/em> Asien. In Anlehnung an Thiriarts Idee von einer <em>Pax Eurasiatica<\/em> pl\u00e4diert Dugin f\u00fcr ein eurasisches Imperium von Dublin bis Wladiwostok unter der F\u00fchrung Russlands, weil, so Dugin, \u201edie wahren, geopolitisch gerechtfertigten Grenzen Russlands bei Cadiz und Dublin liegen und Europa dazu bestimmt ist (&#8230;) der Sowjetunion beizutreten\u201c. Alle Eurasier, auch Dugin, haben die bipolare Weltsicht gemeinsam, dass \u201eEurasien\u201c einem Hauptfeind gegen\u00fcberst\u00fcnde. Der Unterschied ist, dass klassische Eurasier das \u201eromanogermanische Europa\u201c als Gegner ansahen, wohingegen Neo-Eurasier sich einen Kampf vorstellen zwischen hierarchisch organisierten \u201eeurasischen\u201c Landm\u00e4chten unter der F\u00fchrung Russlands und liberalen \u201eatlantischen\u201c Seem\u00e4chten unter der F\u00fchrung der USA. Europa wird laut Dugin von den USA okkupiert und Russland m\u00fcsse die Rolle des Befreiers annehmen. Der Erfolg \u201eEurasiens\u201c h\u00e4nge von der Wiedergeburt des imperienbildenden russischen Volkes ab. In Dugins apokalyptischer Weltsicht steuere diese jahrhundertealte Gegnerschaft zwischen Land- und Seem\u00e4chten auf einen \u201eEndkampf\u201c zu. (Ragnar\u00f6k?)<\/p>\n\n\n\n<p>Dugin beruft sich dabei nicht nur auf die traditionelle eurasistische Bewegung, sondern auch auf Vertreter der westeurop\u00e4ischen Neuen Rechten wie Jean-Fran\u00e7ois Thiriart und Alain de Benoist, die Traditionalisten Ren\u00e9 Gu\u00e9non und Julius Evola, Vertreter der Konservativen Revolution wie Carl Schmitt und Geopolitiker wie Karl Haushofer.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich lasse das jetzt einmal alles so stehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachfolgend der Text eines Vortrags von mir am 16.4.22 auf der DiVOC22 &#8222;Bridging Bubbles&#8220; des CCC Hamburg. 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