{"id":423,"date":"2018-05-06T21:56:15","date_gmt":"2018-05-06T20:56:15","guid":{"rendered":"http:\/\/weblog.igler.at\/?p=423"},"modified":"2018-11-22T13:52:11","modified_gmt":"2018-11-22T12:52:11","slug":"hans-peter-gusi-und-das-russische-problem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/weblog.igler.at\/?p=423","title":{"rendered":"Hans Peter, Gusi und das russische Problem."},"content":{"rendered":"<h1><em>\u00a0Der \u00d6sterreicher liebster russische Oligarch ist durch die j\u00fcngsten US-Sanktionen schwer unter Druck geraten. Hierzulande f\u00e4llt das offenbar Keinem auf.<\/em><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Moderne Technik hat die Art, in der wir Krieg f\u00fchren, ver\u00e4ndert. Unbemannte Drohnen k\u00f6nnen gezielt angreifen und t\u00f6ten \u2013 sagen wir mal am Hindukusch oder in Syrien \u2013 gesteuert von weit entfernten Piloten, die auf der anderen Seite des Globus\u00a0in klimatisierten R\u00e4umen sitzen\u00a0und am Abend entspannt zu ihrer Familie nach Hause gehen. Angeblich soll das sogar wichtig sein, dass Drohnenpiloten in gewohnter Umgebung arbeiten und abends nach Hause gehen k\u00f6nne, das f\u00f6rdert die Arbeitsmoral und unterst\u00fctzt die psychische Gesundheit aka so bekommen sie weniger leicht moralische Bedenken.<\/p>\n<p>Auf dem diplomatischen Parkett ist es \u00e4hnlich. Dort hat vor allem die USA Methoden entwickelt, die B\u00f6sen Buben auf dieser Welt ordentlich in den Schwitzkasten zu nehmen, indem die M\u00f6glichkeiten ausgen\u00fctzt werden, die das weltweite Finanzsystem so bietet. Die Rede ist von Wirtschaftssanktionen, und vor knapp einem Monat wurde das zum ersten Mal im gro\u00dfen Stil nicht gegen Regierungen, sondern gegen einzelne Unternehmen angewandt. Und irgendwie f\u00e4llt das hierzulande keinem auf, obwohl es direkten Einflu\u00df auf unser Wirtschaftsleben hat.<\/p>\n<p>Der US-Pr\u00e4sident Woodrow Wilson nannte Sanktionen dereinst \u201eeine stille, aber t\u00f6dliche Methode\u201c. Das war 1919, und seither hat die USA sie immer wieder eingesetzt, mit gemischten Resultaten. Vor allem in den 90er Jahren hatte die Globalisation diese Waffe ziemlich stumpf erscheinen lassen. Unternehmen konnten sehr gut weltweite Gesch\u00e4fte ohne die USA machen, allf\u00e4llige Strafen wurden achselzuckend als Gesch\u00e4ftskosten abgerechnet. Man erinnere sich nur an das Oil-for-Food Programm, das von der UNO aufgelegt wurde und \u00fcber das der damalige irakische Diktator Saddam Hussein fr\u00f6hlich Gesch\u00e4fte betrieb, allen US-WIrtschaftssanktionen zum Trotz.<\/p>\n<p>Alles \u00e4nderte sich mit dem 11. September 2001, allgemein als Nine-Eleven bekannt. Der so genannte \u201ePatriot Act\u201c erlaubt es seither dem US-Finanzministerium, einzelne Banken als Bedrohung der finanziellen Ordnung einzustufen und sie aus dem Clearing mit US-Dollar auszuschlie\u00dfen, sprich: Zahlungen in US-Dollar anzunehmen und weiter zu geben, denn das Clearing von US-Dollar l\u00e4uft halt \u00fcber die USA. Seither k\u00f6nnen US-Beh\u00f6rden auch bei SWIFT in die Akten schauen. Urspr\u00fcnglich war das mal ein nur f\u00fcr Banken einsichtiges Nachrichtensystem, in dem alle Zahlungen untereinander von Banken weltweit registriert werden. Nachdem der US-Dollar weltweit noch immer das Zahlungsmittel Nummer eins ist, ist der Ausschluss aus dem Dollar-Clearing f\u00fcr eine Bank, die international t\u00e4tig ist, praktisch der Todessto\u00df.<\/p>\n<p>Bis heute wurden nur Nordkorea, der Iran und Syrien aus dem Dollar-Clearing ausgeschlossen (der Iran darf seit seinem Atomdeal \u00fcbrigens wieder mitspielen), au\u00dferdem hatte man das System benutzt, um diverses Kleinzeugs zu fangen, den Waffenh\u00e4ndler Victor Bout etwa, oder BDA, eine Bank aus Macau, die verbotenerweise mit Nordkorea Gesch\u00e4fte gemacht hatte, und derartiges mehr.<\/p>\n<p>Doch vor einem Monat schloss der 45. Pr\u00e4sident der USA (dessen Namen man nicht aussprechen sollte), zum ersten mal ein einzelnes Unternehmen vom Handel mit US-Dollar aus, n\u00e4mlich Rusal. Das russische Unternehmen ist einer der weltgr\u00f6\u00dften Produzenten von Aluminium, mit einem gesch\u00e4tzten Unternehmenswert von 18 Mrd. US-Dollar, und kontrolliert von Oleg Deripaska.<\/p>\n<p>Ja, genau, der Kumpel von Hans Peter Haselsteiner, mit dem zusammen er die Strabag kontrolliert, eines der gr\u00f6\u00dften Bauunternehmen Europas mit rund 12,5 Mrd. Euro Jahresumsatz und Sitz in \u00d6sterreich. (Raiffeisen ist da auch noch dabei, sowie rund 14 Prozent Streubesitz).<\/p>\n<p>In der letzten Finanzkrise musste Deripaska einen Teil seiner Strabag-Aktien verkaufen, hat aber seither seinen Anteil wieder auf knapp \u00fcber ein Viertel der Aktien aufgestockt.<\/p>\n<p>So wie es aussieht, k\u00f6nnte sich das bald \u00e4ndern, denn Rusal rauft mit dem Rotz, wie man in Wien so salopp sagt. An sich macht Rusal in den USA nur 14 Prozent seines Gesamtumsatzes, arbeitet so gut wie nicht mit US-Banken zusammen und ist in Hong Kong und Moskau gelistet. Aber dadurch, dass Rusal vom Dollar-Clearing ausgeschlossen wurde, will niemand mehr Gesch\u00e4fte mit Rusal machen, denn weltweit wird Aluminium (wie die meisten Rohstoffe) in US-Dollar notiert und gehandelt.<\/p>\n<p>Rund um den Globus m\u00fcssen jetzt Investoren ihre Rusal-Anleihen (die in US-Dollar begeben wurden), abstossen. Der weltgr\u00f6\u00dfte Schiffsfr\u00e4chter Maersk macht mit Rusal keine Kontrakte mehr. Niemand will Dollar-Schulden von Rusal refinanzieren. Die London Metal Exchange, weltweit der f\u00fchrende Handelsplatz f\u00fcr Metalle, hat die Teilnahme von Rusal drastisch reduziert. Bonit\u00e4tsagenturen haben Rusal von ihren Bewertungen ausgeschlossen (das tut besonders weh, denn damit ist Rusal de facto nicht kreditw\u00fcrdig). Europ\u00e4ische Banken haben den Handel mit Rusal-Papieren ausgesetzt. Der Aktienkurs ist seither um die H\u00e4lfte (genauer: 56%) \u00a0gefallen, die Rusal-Anleihen f\u00fcr 2023 stehen derzeit mit 45 US-Cent auf den US-Dollar im Kurs. Mit einem Wort: The shit has hit the fan.<\/p>\n<p>Weil die US-Regierung explizit die enge Verbindung von Oleg Deripaska mit Wladimir Putin und den anderen M\u00e4chtigen im Kreml sowie Deripaskas Kontrolle \u00fcber den Aluminiumkonzern als Gr\u00fcnde f\u00fcr die Sanktionen gegen Rusal genannt hat, versucht dieser derzeit verzweifelt, seine Anteile (die \u00fcber diverse Holdings gehalten werden, unter anderem auch \u00fcber Zypern) zu verkaufen, um das Unternehmen noch zu retten.<\/p>\n<p>So wie es aussieht, k\u00f6nnte unser aller Lieblings-Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer als Aufsichtsratsvorsitzender bei der Strabag SE bald einen neuen Gro\u00dfaktion\u00e4r begr\u00fcssen. Wenn alles gut geht. Wenn nicht, k\u00f6nnte es noch deutlich unfreundlicher werden.<\/p>\n<p>Die \u00d6sterreicher nehmen davon keinerlei Notiz, weder in den Medien noch in der \u00d6ffentlichkeit. F\u00fcr sie ist Deripaska ein netter, freundlicher Mensch, der seinem Freund Hans Peter wirtschaftlich eng verbunden und ansonst ein hierzulande gern gesehener Gast ist. Wirtschaftsministerin Margarete Schramb\u00f6ck h\u00e4lt Rusal wahrscheinlich f\u00fcr eine S\u00fcdkoreanische Zahnpastamarke. Und mit Wirtschaftsthemen ist hierzulande sowieso kein Aufsehen zu machen: Zu fad, zu kompliziert, und \u00fcberhaupt.<\/p>\n<p>Ja, ich wei\u00df, wir haben gerade andere Sorgen. Aber wenn die Strabag in Schieflage ger\u00e4t, k\u00f6nnte das sehr schnell zu einem ziemlich gro\u00dfen Problem werden.<\/p>\n<p>Wir leben in aufregenden Zeiten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0Der \u00d6sterreicher liebster russische Oligarch ist durch die j\u00fcngsten US-Sanktionen schwer unter Druck geraten. Hierzulande f\u00e4llt das offenbar Keinem auf. &nbsp; Moderne Technik hat die Art, in der wir Krieg f\u00fchren, ver\u00e4ndert. 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