{"id":37,"date":"2009-06-16T16:59:56","date_gmt":"2009-06-16T14:59:56","guid":{"rendered":"http:\/\/weblog.igler.at\/?p=37"},"modified":"2009-06-16T16:59:56","modified_gmt":"2009-06-16T14:59:56","slug":"vor-dem-supermarkt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/weblog.igler.at\/?p=37","title":{"rendered":"Vor dem Supermarkt"},"content":{"rendered":"<p>Die Welt ist voller Proleten. Nein, ich will mich nicht beschweren, das w\u00e4re sinnlos. Aber manchmal m\u00f6chte ich wenigstens meinen \u00c4rger dar\u00fcber loswerden. K\u00f6nnen. D\u00fcrfen.<\/p>\n<p>So zum Beispiel gestern. Da war ich in Grohote einkaufen.<\/p>\n<p>Vor unserem Supermarkt in Grohote auf meiner geliebten Insel \u0160olta gibt es \u2013 genau vor der T\u00fcr \u2013 drei Parkpl\u00e4tze. Im Laufe der Jahre hat sich das als eindeutig zu wenig erwiesen, also hat man gegen\u00fcber einen gro\u00dfen Parkplatz gebaut, auf dem mehr Autos Platz haben als Kunden auf einmal in den kleinen Studenac hineinpassen. Aber da muss man \u00fcber die Gasse gehen und, wenn man Pech hat, auch noch \u00fcber den ganzen Parkplatz. Wenn man direkt vor der T\u00fcr parkt, muss man das nicht. Daher ist um ebendiese Pl\u00e4tze immer ein G\u2019ri\u00df.<\/p>\n<p>Im Sommer, halt. Im Winter, so wie jetzt, ist es meist wurscht, au\u00dfer an einem Freitag abend bei sch\u00f6nem Wetter, da kommen alle Weekender einkaufen, als k\u00e4me es ab Samstag aus der Mode. Warum die extra bei uns, bei teureren Preisen und reduziertem Angebot, einkaufen statt auf dem Festland, wo sie eh\u2019 gerade herkommen, wird sich mir wahrscheinlich nie so ganz erschlie\u00dfen, aber chacun \u00e0 sa fa\u00e7on.<\/p>\n<p>Egal, gestern war Dienstag, und es ist tiefer Winter, also waren alle drei Parkpl\u00e4tze vor der T\u00fcr frei. Ich, spie\u00dfiger Mitteleurop\u00e4er aus dem Norden, stelle mich ganz rechts hin, damit noch zwei weitere Platz finden, so denn \u00fcberhaupt welche kommen.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem bin ich, infolge eines Risses meiner linken Achillessehne, mit einem Gips unterwegs und daher auch mit Kr\u00fccken, also ist es mir ganz recht so. Sonst will wieder die nette Kassiererin meinen Einkauf f\u00fcr mich bis zum Wagen tragen, und dann isses mir wieder peinlich. Na, passt schon.<\/p>\n<p>Friedlich gehe ich einkaufen.<\/p>\n<p>Nach einer Viertelstunde habe ich eingekauft und bezahlt und das Angebot, meinen Einkauf zu transportieren, dankend abgelehnt \u2013 \u201eNein danke, aber ich stehe ja direkt vor der T\u00fcr\u201c \u2013 und trete vor die T\u00fcr, da hat doch irgend so ein [zensuriert] seinen Ford schr\u00e4g hergstellt, so dass weder ein Dritter parken kann, noch ich einsteigen. Sein rechter Kotfl\u00fcgel ist zehn Zentimeter vor meiner Fahrert\u00fcr, also selbst ohne Gipsfu\u00df und mit zwanzig Kilo weniger &#8230; geschenkt. Hilfe suchend drehe ich mich um, vielleicht ist der Trottel eh\u2019 schon an der Kasse, zumal zu allem \u00dcberdruss auch noch der Motor l\u00e4uft und ordentlich stinkt. Und tats\u00e4chlich winkt die Kassiererin, dass sie den Fahrer gerade abfertige und er k\u00e4me sofort.<\/p>\n<p>Zwischenzeitlich stehe ich halt einfach dumm herum, mit meinem Einkauf und auf zwei Kr\u00fccken, und jeder der mich sieht, denkt sich wahrscheinlich das selbe wie ich, Mann, parkt der vielleicht bescheuert.<\/p>\n<p>Und dann kommt er, es sind sogar zwei, ein Ehepaar, sie so um die 45, er zehn Jahre \u00e4lter, die Standardnummer halt. Sie versucht auf ihrer Seite einzusteigen, sieht es geht nicht, steht dann dort und schaut mich an. Dann kommt er &#8230; und ich kann meinen Mund nicht halten.<\/p>\n<p>\u201eIst das Ihr Fahrzeug?\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa\u201c, sagt er, etwas konsterniert, \u201ewieso?\u201c<\/p>\n<p>\u201eSuper, wie Sie parken. Wirklich r\u00fccksichtsvoll.\u201c Ich schaue bedeutungsvoll an mir herunter und auf meine Kr\u00fccken.<\/p>\n<p>Dem Proll ist es jetzt dann doch peinlich, also steigt er schweigend in sein Auto und schaut, dass er m\u00f6glichst schnell wegkommt.<\/p>\n<p>\u201eUnd den Motor haben Sie auch gleich laufen lassen. Sie machen wirklich alles richtig.\u201c Wenn ich einmal in Fahrt komme, gibt es kein Halten mehr. \u201eSie sollten jetzt auch noch einfach Ihren Aschenbecher auf den Boden ausleeren.\u201c Mit steinernem Gesicht schlie\u00dft er seine Autot\u00fcr und legt den R\u00fcckw\u00e4rtsgang ein.<\/p>\n<p>Und dann, als das Auto schon r\u00fcckw\u00e4rts rollt, kommt seine Frau wieder in mein Blickfeld. Sie sitzt neben ihrem Ehegatten und f\u00fcr einen Augenblick treffen sich unsere Blicke.<\/p>\n<p>Und dabei hat sie gegrinst. Von einem Ohr zum anderen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Welt ist voller Proleten. 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