{"id":248,"date":"2013-04-06T10:32:40","date_gmt":"2013-04-06T10:32:40","guid":{"rendered":"http:\/\/weblog.igler.at\/blog\/?p=248"},"modified":"2013-04-06T10:32:40","modified_gmt":"2013-04-06T10:32:40","slug":"endabrechnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/weblog.igler.at\/?p=248","title":{"rendered":"Endabrechnung"},"content":{"rendered":"<p>Zeit, das Geschehene aufzuarbeiten.<\/p>\n<p><strong>Erstens: Warum haben wir in K\u00e4rnten verloren?<\/strong><\/p>\n<p>Im Grund genommen weil wir auf die Frage des W\u00e4hlers \u201eWarum soll ich ausgerechnet die Piraten w\u00e4hlen?\u201c keine ausreichende bzw. \u00fcberzeugende Antwort gegeben haben.<\/p>\n<p>Der W\u00e4hler geht mit seiner Stimme erstaunlich sorgsam um. Selbst der Protestw\u00e4hler w\u00e4hlt nicht einfach $irgendetwas, sondern das, was das derzeitige System am besten \u201eaufmischt\u201c. Um ihn zu \u00fcberzeugen, gerade die Piraten zu w\u00e4hlen, wo doch genau dort die Chance, dass seine Stimme verloren geht, besonders hoch ist, muss es einen verdammt guten Grund geben daf\u00fcr, dass er\u2019s dann doch riskiert.<\/p>\n<p>Das mit den Protestw\u00e4hlern w\u00e4re h\u00fcbsch gewesen, f\u00fcr die h\u00e4tte es nicht einmal ein Programm gebraucht, leider hat da Zwerg Bumsti eindeutig mehr Geld. Gut, dann also mit Inhalten.<\/p>\n<p>Die, die wir \u00f6ffentlich angeboten haben, waren es nicht. Sch\u00f6n, <em>Transparenz<\/em> ist sehr piratig. Aber das Thema hatten fast alle, die Gr\u00fcnen wie die SP, selbst die Schwarzen. Was konnten wir da bieten, was die anderen nicht geboten haben, au\u00dfer einem treuherzigeren Augenaufschlag mit dem Charme der reinen Amateure? Nicht wirklich viel. Sch\u00f6n, man attestiert uns sicher Sauberkeit, aber so die \u00dcberkompetenz in Sachen Durchblick wird uns nicht zugeordnet. Warum auch? Nur, weil wir das gerne h\u00e4tten? Au\u00dferdem f\u00fchrt die schwarzrotgr\u00fcne Koalition in K\u00e4rnten gerade vor, wie das alles ohne Piraten auch geht, und das \u2013 bislang \u2013 recht beeindruckend.<\/p>\n<p>Thema <em>Wohnen<\/em> \u2013 haben inzwischen auch schon alle. Und auch hier: Was sollen gerade wir da besser, anders, \u00fcberzeugender k\u00f6nnen? Selbst wenn wir es tats\u00e4chlich k\u00f6nnten \u2026<\/p>\n<p><em>Fahrscheinlose \u00d6ffis<\/em> hatten die anderen nicht, war aber offenbar in K\u00e4rnten auch nicht so der gro\u00dfe Aufreger. Eher ein urbanes Thema, f\u00fcr Wien vielleicht &#8230; f\u00fcr Graz war\u2019s eines. Aber Graz ist nicht K\u00e4rnten. Andrerseits zeigt es, dass wir mit eher \u201eausgefallenen\u201c Ideen eher Chancen haben. Ausgefallen in dem Sinn, dass sie die anderen nicht haben. Entweder, weil es keinen interessiert, oder weil keiner davon was versteht.<\/p>\n<p>Sicher, wir haben auch in der Exekution schwere Fehler gemacht, die Plakataktion etwa ging voll daneben, weil wir offenbar einen \u2013 \u00e4h \u2013 nicht verl\u00e4sslichen Gesch\u00e4ftspartner hatten, sprich: Er hat uns Stellen verkauft, die es nicht gab. Auch sonst waren wir zuwenig Leute, waren einfach nicht pr\u00e4sent, die Mehrheit der W\u00e4hler ist uns zum ersten Mal auf dem Wahlzettel begegnet, das war zu sp\u00e4t. Aber selbst wenn wir sonst alles richtig gemacht h\u00e4tten und halb K\u00e4rnten von uns gesprochen h\u00e4tte \u2013 f\u00fcnf Prozent w\u00e4ren es auch nicht geworden. Nicht mit diesen Themen.<\/p>\n<p>Fazit: Falscher Ansatz, schlecht exekutiert. Daf\u00fcr sind ein Prozent ganz beachtlich. Offenbar unsere Hardcore-Basis \u2013 da sollten wir ankn\u00fcpfen.<\/p>\n<p><strong>Zweitens: Was bedeutet das f\u00fcr die Nationalratswahl?<\/strong><\/p>\n<p>So wie ich das einsch\u00e4tze, m\u00fcssen wir uns schleunigst auf eine eindeutige Themenf\u00fchrerschaft einigen und die dann in der \u00d6ffentlichkeit erarbeiten, komplett samt Kompetenz und pipapo. Wenn wir im Herbst den p.t. W\u00e4hlern keinen echten Grund geben, uns zu w\u00e4hlen, wird das nix.<\/p>\n<p>In der kurzen Zeit wird es uns allerdings nicht gelingen, nur mit Kompetenz und klugen Bemerkungen bundesweit \u00fcberhaupt bekannt zu werden, geschweige denn zur echt w\u00e4hlbaren Alternative, da wird man ein wenig nachhelfen m\u00fcssen. Wie man das macht, mit oder ohne Geld, \u00d6ffentlichkeit kaufen oder irgendwie sonst organisieren, diese Diskussion steht aus. Aber nur weil wir das jetzt wirklich wollen, wird es nicht gelingen, da muss schon etwas echtes K\u00f6nnen plus ein wenig Professionalit\u00e4t dazu kommen. Der Charme des Amateurs ist bei den Piraten schnell abgelaufen, wir m\u00fcssen jetzt leider auch Handfestes bieten.<\/p>\n<p>Vielleicht k\u00f6nnten wir uns ja darauf einigen, dass wir nur dort etwas sagen, wovon wir wirklich etwas verstehen. Und das wird dort, wo wir glauben, etwas sagen zu m\u00fcssen, zuerst vorher unsere Hausaufgaben machen. Beim Urheberrecht, zum Beispiel. *duck*<\/p>\n<p>Ich wei\u00df, der Shitstorm ist vorprogrammiert. Egal, es ist meine Meinung. Und damit kommen wir zu<\/p>\n<p><strong>Drittens: Was bedeutet das f\u00fcr mich pers\u00f6nlich?<\/strong><\/p>\n<p>Die Debatte um die R\u00fcckerstattung von Spesen f\u00fcr gew\u00e4hlte Organe der Partei hat mich dann doch schwer verst\u00f6rt. Auch wenn die Abstimmung am Ende anders ausging, alleine die Tatsache, dass die Forderung \u201eSoll sich jeder selber zahlen\u201c nicht nur erhoben, sondern auch unterst\u00fctzt wurde, fand ich zutiefst undemokratisch, weil dann k\u00f6nnen es sich nur noch die Zwerg Bumstis dieser Welt leisten, in die Politik zu gehen und dort eine eigene Meinung zu haben. Daf\u00fcr bin ich leider nicht zu haben. Und da ich bislang mindestens drei Flocken (hab\u2019s bislang noch nicht so genau nachgerechnet, weil dann w\u00fcrde ich mich \u00e4rgern) meines Privatgeldes in die Parteiarbeit gesteckt habe und die offenbar niemals wiedersehen werde, muss ich hier &amp; jetzt erkl\u00e4ren: Das kann ich mir nicht (mehr) leisten. Und will es auch nicht mehr.<\/p>\n<p>Ich l\u00f6se diese Diskussion bewusst aus, jetzt &amp; hier, und stelle folgende Hypothesen in den Raum:<\/p>\n<p><strong>Primo:<\/strong> Wir k\u00f6nnen weder als Linkspartei 2.0 noch als we2-Partei noch als \u201enoch-so-eine-Partei\u201c erfolgreich sein, egal wie honorig unsere Ans\u00e4tze. Wir m\u00fcssen einen (oder mehrere) \u201eunique voting point(s)\u201c bieten.<\/p>\n<p><strong>Secundo:<\/strong> Wir m\u00fcssen deutlich (!) professioneller werden. Alle. Von unserer Parteiarbeit \u00fcber unsere Au\u00dfenkommunikation zu unseren Stellungnahmen und Presseaussendungen bis hin zu den verwackelten Handvideos vom Frosti. Wobei: H\u00e4tten alle Frosti\u2019s Engagement, h\u00e4tten wir ein Problem weniger \u2026<\/p>\n<p><strong>Tertio:<\/strong> Zeit ist f\u00fcr jeden von uns kostbar &amp; jeder hat gleich viel: sein Leben. Zeit k\u00f6nnen wir, zumindest derzeit, von jedem gratis fordern, so viel eben jeder hat. Aber der Aufwand, die Spesen, das Reisen, die Bahntickets, die zugigen Gasthauszimmer mit den klammen Betten und das hastig hinuntergew\u00fcrgte Gulasch im Bahnhofb\u00fcffet \u2013 das muss ersetzt werden. Wenn einer sagt: \u201eDanke, ich hab\u2019 genug, ich lad\u2019 euch drauf ein\u201c umso besser. Aber wenn demokratische Gleichheit f\u00fcr alle herrschen soll, dann muss es denen, die sich das nicht leisten k\u00f6nnen, ersetzt werden. Das Geld daf\u00fcr ist aufzutreiben, \u201ewir haben keins\u201c wird nicht anerkannt. Wer kein Geld hat, soll nicht in den Prater gehen.<sup>1)<\/sup><\/p>\n<p><strong>Quarto:<\/strong> Der basisdemokratische Ansatz f\u00fchrt (nicht nur bei uns) dazu, dass sich alle f\u00fcr alles zust\u00e4ndig f\u00fchlen. Das ist Teil des Charmes der Amateure, aber organisatorisch ist es einfach Schei\u00dfe, und funktionieren tut es auch nicht. Entweder wir vertrauen einander, und der eine macht dies und der andere das, und wir stellen nicht ununterbrochen alles in Frage, nur weil wir es k\u00f6nnen, oder wir lassen es gleich bleiben. Das Ziel hei\u00dft Einzug in den Nationalrat, nicht \u00f6ffentliches Haltungsturnen mit Extrapunkten f\u00fcr den sch\u00f6nsten Sterbenden Schwan mit der reinsten Haltung.<\/p>\n<p><strong>Quinto:<\/strong> Zu guter Letzt muss auch noch diese absurde Diskussion um online versus offline aufh\u00f6ren. Wir sind eine Partei, die im und aus dem Internet geboren wurde, das Internet ist unsere \u2013 derzeit einzige \u2013 Kompetenz, und nat\u00fcrlich sind Piraten online. Punkt. Und wer nicht online ist, aus welchem Grund auch immer, ist schnellstens dorthin zu bringen. Und wer partout nicht will \u2013 auch gut. Aber der ist als Pirat eher ein Misfit. In etwa so, als wolle man der Wasserballmannschaft beitreten und hat eine Allergie auf Wasser, oder ist wasserscheu. Das <em>kann<\/em> einfach nicht funktionieren.<\/p>\n<p>Alle diese f\u00fcnf Punkte laufen f\u00fcr mich unter \u201econditio sine qua non\u201c, will hei\u00dfen, wenn sie nicht erf\u00fcllt werden, dann sehe ich f\u00fcr die Nationalratswahl von vornherein schwarz. Ich meine, jeder wie er kann, m\u00f6chte und glaubt zu m\u00fcssen. Aber ich bin es leid, politische Partei zu spielen. Ich w\u00e4re gerne in der Realit\u00e4t angekommen.<\/p>\n<p>Wie gesagt: YMMV, dies ist mein Blog &amp; meine Meinung.<\/p>\n<p>_____________________________<\/p>\n<p><sup>1)<\/sup> Wir haben uns entschlossen, innerhalb des parlamentarischen Systems zu bleiben, dort eine Partei zu gr\u00fcnden und mit dieser, nach geltenden parlamentarischen Spielregeln, die Welt zu ver\u00e4ndern. Man kann alle Regeln nat\u00fcrlich auch in Frage stellen, aber irgendwann stellt sich die Frage, was man denn \u00fcberhaupt noch im System verloren hat. Am Beispiel der 5-Sterne-Bewegung der Grillisten in Italien kann man das sehr h\u00fcbsch beobachten. Und \u00e4hnlich sehe ich das auch mit dem Ansatz \u201ewir machen das alles ganz anders und ersetzen Geld grunds\u00e4tzlich mit Gutem Willen und ordentlich Cornflakes jeden Morgen\u201c. Wer eine Partei haben will, der muss auch eine betreiben. Und was passiert, wenn alles nur auf Goodwill beruht, kann man immer wieder bei den Piraten beobachten: Es geht schief. Wo der Punkt genau liegt, an dem auch wir uns den grundlegenden Spielregeln unterwerfen m\u00fcssen, und wie viele Regeln wir brechen k\u00f6nnen, ohne dass es schief geht, ist eine getrennte Diskussion. Aber die \u201egrunds\u00e4tzlich \u00fcberhaupt nie\u201c-Verweigerungshaltung wird nicht funktionieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zeit, das Geschehene aufzuarbeiten. Erstens: Warum haben wir in K\u00e4rnten verloren? 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