{"id":156,"date":"2012-10-03T00:15:11","date_gmt":"2012-10-03T00:15:11","guid":{"rendered":"http:\/\/weblog.igler.at\/blog\/?p=156"},"modified":"2012-10-03T00:15:11","modified_gmt":"2012-10-03T00:15:11","slug":"die-ruckkehr-der-pechtra-baba-oder-die-kunst-des-weglassens-als-ausdruck-des-karntner-seins","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/weblog.igler.at\/?p=156","title":{"rendered":"Die R\u00fcckkehr der Pechtra Baba oder Die Kunst des Weglassens als Ausdruck des K\u00e4rntner Seins"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gestern Abend\u00a0bin ich wieder einmal im Lehnsessel eingeschlafen und nicht, wie sich das f\u00fcr einen anst\u00e4ndigen B\u00fcrger geh\u00f6rt, im Bett, m\u00f6glichst ausgezogenerweise. Also mit einem z\u00fcchtigen Schlafanzug, nat\u00fcrlich, weil das nackert schlafen geh\u00f6rt sich ja auch nicht. Das macht die Bettw\u00e4sche so schmutzig, hat schon meine Mami gesagt. Und au\u00dferdem: Es geh\u00f6rt sich einfach nicht.<\/p>\n<p>Egal. Eingeschlafen bin ich, weil ich so angestrengt nachgedacht hatte, \u00fcber das Wesen des K\u00e4rntner Seins. Oder, wie das bei Thomas von Aquin schon hei\u00dft, das Seiende an sich. (Oder war das bei Heidegger?) Egal, jedenfalls denke ich schon seit Langem dar\u00fcber nach, was denn das ausmacht. Das Sein n\u00e4mlich, das K\u00e4rntnerische. Oder, um es einfacher zu sagen: Was macht K\u00e4rnten eigentlich aus?<\/p>\n<p>Ein Punkt ist ganz sicher das Weglassen.<\/p>\n<p>Am Sch\u00f6nsten demonstriert sich die K\u00e4rntner Kunst des Weglassens in der Sprache. (Ich wei\u00df, ich hab\u2019 das schon mal geschrieben. Aber es stimmt noch immer.) Also Sprache. Zum Beispiel in: Muass Klognfuat foahn. (Man verzeihe mir, dass ich Fremdl\u00e4nder kein flie\u00dfendes K\u00e4rntnerisch zusammenbringe.) Das hochdeutsche \u201eIch muss nach Klagenfurt fahren\u201c braucht fast doppelt so viele Worte.<\/p>\n<p>Oder auch, in der besonderen Kombination von \u201eane\u201c als Bezeichnung f\u00fcr mehrere: Brauchts ane Untatatzalan oda tans Schalalan aa?<\/p>\n<p>Irgendwie erinnert mich das immer an die ber\u00fchmten Kinderfragen: Papa, deaf i Kaugummi? Ja, was jetzt? Haben? Werfen? Auf den Bauch picken?<\/p>\n<p>Unl\u00e4ngst wieder im Supermarkt: \u201eMama, deaf i Kaassemmale?\u201c<\/p>\n<p>Dieses subtile Weglassen nicht wirklich ben\u00f6tigter Dinge, weil in Wirklichkeit ja eh\u2019 jeder wei\u00df, was gemeint ist, schlie\u00dflich will das Kind die Kaassemmale erstens bekommen und zweitens essen, und zwar jetzt, was haben Sie sich denn sonst gedacht? Also diese feinf\u00fchligen Einsparungen von Dingen, die sowieso jeder wei\u00df, hat die K\u00e4rntner Politik auch \u00fcbernommen.<\/p>\n<p>Zum Beispiel bei der Budgetkontrolle. Es wei\u00df eh\u2019 jeder, dass die Landesregierung alles, was sie tut, zum Wohle des Landes K\u00e4rnten tut, also wozu noch aufwendig kontrollieren, kost jo lei no mea G\u00f6ld.<\/p>\n<p>Oder so in etwa.<\/p>\n<p>Das erkl\u00e4rt den Umgang mit den Landesfinanzen, wie er auch beim <a href=\"http:\/\/news.orf.at\/stories\/2143878\/2143886\/\" target=\"_blank\">Schei\u00df-Dich-nicht-an-Birni-Prozess zu Tage kam.<\/a><\/p>\n<p>Kein Wunder, dass da inquisitive Staatsanw\u00e4lte ebenso wie naseweise Journalisten schlecht ins Bild passen bzw. als nestbeschmutzende Einmischung von au\u00dfen empfunden werden. Zumindest von denen, die t\u00e4glich alles nehmen \u2013 \u00e4h \u2013 geben, um dem Volk zu dienen. Oder so \u00e4hnlich.<\/p>\n<p>Folgerichtig sagte Richter Manfred Herrnhofer bei der Urteilsverk\u00fcndung so etwas wie die politische Schuld l\u00e4ge mehrheitlich bei dem, der vor seinem Tribunal nicht mehr verfolgt werden k\u00f6nne. So gesehen ist er nicht vom Himmel gefallen, sondern schwebt als schmierig grinsender Geist \u00fcber all jenen Morasten und Sumpft\u00fcmpel, in deren schlierigen Oberfl\u00e4chen er sich spiegelt.<\/p>\n<p>Christian Rainer, diese fleischgewordene Apotheose der Selbstdarstellung, der Kollege von der Bobopostille profil, <a href=\"http:\/\/www.profil.at\/articles\/1231\/568\/338047_s1\/christian-rainer-die-demokratie-kaernten\" target=\"_blank\">zweifelt in aller \u00d6ffentlichkeit an<\/a>, dass K\u00e4rnten \u00fcberhaupt reformierbar ist.<\/p>\n<p>Und auch die <a href=\"http:\/\/diepresse.com\/home\/meinung\/gastkommentar\/1276725\/Kaernten-braucht-Kritik-und-Alternativen-fuer-seine-Zukunft\" target=\"_blank\">Presse<\/a>, wenngleich um vieles h\u00f6flicher, zweifelt mit. \u201eMangels eines Gegenentwurfes\u201c, so schreibt sie, sehe man keine Alternative.<\/p>\n<p>So was ist alles nicht f\u00f6rderlich f\u00fcr einen gesunden Schlaf, selbst im besten aller Lehnsessel, also bin ich wieder aufgewacht.<\/p>\n<p>Und da war sie wieder, die Perchtl, die Pechtra Baba, bei mir auf Besuch. Schiach wie ein Untersuchungsausschuss ist sie ja schon, die Baba. Aber ich f\u00fcrcht\u2019 mich da \u00fcberhaupt nicht mehr.<\/p>\n<p>\u201eBaba\u201c, sag\u2019 ich, schon ganz vertraut, \u201ewas willst Du denn jetzt wieder?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch will Dich erschrecken.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNach dem Birni-schei\u00df-dich-nicht-an-Prozess soll\u2019 ich mich noch vor was schrecken?\u201c<\/p>\n<p>Sagt die Baba: \u201eEs geht immer noch schlimmer.\u201c<\/p>\n<p>\u201eKlar\u201c, sag\u2019 darauf ich, \u201ezum Beispiel bei diesem Tillo &#8230;\u201c<\/p>\n<p>\u201eBei wem?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNa, dem Tillo Berlin.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDer hat nur ein l.\u201c Sagt jetzt die Baba.<\/p>\n<p>\u201eBist Du da sicher?\u201c Sag ich.<\/p>\n<p>Sagt sie: \u201eDa bin ich mir ganz sicher.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch bin mir auch ganz sicher\u201c, sag\u2019 ich jetzt, \u201edass er als Vorstandsvorsitzender der Hypo Alpe Adria, so mit Pr\u00e4mien und allem, <a href=\"http:\/\/kaernten.orf.at\/news\/stories\/2552379\/\" target=\"_blank\">drei Millionen Euro<\/a> bekommen hat.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDer war doch nur knapp zwei Jahre dort Chef?\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa, genauer 23 Monate. Und wenn man das umlegt, so mit Montag bis Freitag und alle Feiertage, dann hat er pro Arbeitstag \u00fcber 6.500 Euro bekommen.\u201c<\/p>\n<p>Die Baba pfeift anerkennend durch ihre schiefen Vorderz\u00e4hne. \u201eDas ist nicht schlecht. War der so gut?\u201c<\/p>\n<p>\u201eKommt drauf an. F\u00fcr die Bank nicht. Die schrieb zu der Zeit hohe Verluste und musste vom Staat mit Kapitalzusch\u00fcssen unterst\u00fctzt werden. Das hat den Herrn Berlin nicht daran gehindert, 600.000 Euro Bonus einzustreifen.\u201c<\/p>\n<p>Die Baba scheint beeindruckt.<\/p>\n<p>\u201eDas geht noch besser.\u201c Langsam gewinne ich die Oberhand. \u201eAber man darf nicht immer nur nach K\u00e4rnten schauen. Im sch\u00f6nen Ober\u00f6sterreich sind sie auch nicht schlecht unterwegs. Dort hat die Stadt Linz zwei Bilder von Schiele und eine Klimt-Zeichnung <a href=\"http:\/\/ooe.orf.at\/news\/stories\/2551854\/\" target=\"_blank\">verschlampt<\/a>.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas hei\u00dft verschlampt? Das sind ja Kunstwerke, die f\u00fcr viel Geld gehandelt werden.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEh. Das hat die Stadt Linz, respektive die Neue Galerie, die der Stadt geh\u00f6rt, aber nicht wirklich gehindert. Die hat sich Schieles Aquarell \u201eJunger Knabe\u201c, das \u00d6lgem\u00e4lde \u201eTote Stadt\u201c sowie eine Klimt-Zeichnung mit dem Titel \u201eZwei Liegende\u201c 1951 von der damaligen Besitzerin ausgeborgt. Ganz legal, mit \u00dcbernahmebest\u00e4tigung. Und heute sind die drei Werke einfach unauffindbar. Futsch. Gone. Disparu. Die Erben fordern rund 7 Mio. Euro. Und das k\u00f6nnte es die Stadt auch kosten. Steuergeld. Stell\u2019 Dir vor, was man damit alles h\u00e4tte machen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEin teureres Birnbacher-Gutachten?\u201c schl\u00e4gt die Baba vor.<\/p>\n<p>\u201eGeh\u2019, Baba, sei ein bisserl ernster.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDann schreck\u2019 mich halt noch ein bisserl mehr.\u201c<\/p>\n<p>\u201eOK\u201c, sag\u2019 ich jetzt, da kann ich noch einen drauf setzen. \u201eDer Helmut Elstner will 1,8 Milliarden Dollar <a href=\"http:\/\/wien.orf.at\/news\/stories\/2551853\/\" target=\"_blank\">Schadenersatz<\/a>.\u201c<\/p>\n<p>Jetzt ist es mir gelungen. Die Baba starrt mich sprachlos an.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich sagt sie: \u201eWie bitte? Von wem?\u201c<\/p>\n<p>\u201eVon so ziemlich jedem, der ihm eingefallen ist. Elsner hat in New York eine Betrugsklage eingebracht gegen BAWAG-Eigent\u00fcmer Cerberus, Ex-\u00d6GB-Chef Rudolf Hundstorfer, Ex-BAWAG-Chef Ewald Nowotny, Ex-BAWAG-Aufsichtsrat Erich Foglar, Ex-BAWAG-Vorstand Stephan Koren, den fr\u00fcherer BAWAG-Treasurer Thomas Hackl sowie die Ex-Refco-Chefs Phillip Bennett und Tone Grant und BAWAG-Anwalt Markus Fellner. Man habe ihn betrogen, und er fordere Schadenersatz.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIn der H\u00f6he von &#8230;\u201c Die Baba ist noch immer verduzt.<\/p>\n<p>\u201eEinskommaacht. Milliarden. Zwar nur US-Dollar, aber das ist dann auch schon wurscht.\u201c<\/p>\n<p>Und jetzt, so denk\u2019 ich mir, geb\u2019 ich ihr den Todessto\u00df. \u201eUnd der \u2013 \u00e4h \u2013 der <a href=\"http:\/\/derstandard.at\/r1339639820617\/Stronach-Partei?ref=nl\" target=\"_blank\">Dingsbums<\/a> &#8230;\u201c<\/p>\n<p>\u201eDer wer \u2026 ?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNa, der Altherrenfaschist, aus Kanada, Du wei\u00dft schon &#8230;\u201c<\/p>\n<p>\u201eNicht\u201c schreit die Baba jetzt, \u201euntersteh\u2019 Dich und nenn\u2019 seinen Namen. Das bringt Ungl\u00fcck.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWurscht, er f\u00e4llt mir eh nicht ein. Na, jedenfalls hat der seine neue Partei vorgestellt. Ohne jeden st\u00f6renden <a href=\"http:\/\/orf.at\/stories\/2143004\/\" target=\"_blank\">Inhalt<\/a>, aber mit sehr viel Pathos.\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa, und? Die anderen Parteien sind inhaltsvoller?\u201c<\/p>\n<p>\u201eEh\u2019 nicht. Aber am letzten Sonntag hat man ihn \u2013 in dieser Sendung Tick, Trick und Track interviewen Onkel Dagobert \u2013 gefragt, warum er so viele Politiker in seinem Unternehmen besch\u00e4ftigt hat. Und da hat er gesagt \u2013 w\u00f6rtlich \u2013 die seien eh\u2019 nicht so schlimm, die m\u00fcsse man nur umerziehen.\u201c<\/p>\n<p>Die Baba schweigt und schaut mich an.<\/p>\n<p>\u201eUmerziehen\u201c, sag ich jetzt und schaue zur\u00fcck. \u201eDas hat so einen faulen Beigeschmack, das ranzelt so &#8230; wie soll ich sagen &#8230;\u00a0\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd das ist keinem aufgefallen?\u201c unterbricht die Baba.<\/p>\n<p>\u201eOffenbar nicht, obwohl\u2019s ja eigentlich eine Steilvorlage ist. Aber vielleicht braucht die keiner, weil wenn er so weitermacht, demontiert er sich eh\u2019 selber.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSag\u2019 das nicht. Der k\u00f6nnte \u00fcber zehn Prozent der Stimmen bekommen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas? Du glaubst wirklich, der \u2013 Dingsbums \u2013 na, ah ja, jetzt f\u00e4llt er mir ein, der Stronach \u2026\u201c<\/p>\n<p>Da stosst die Baba einen ganz schrillen Schrei aus und verschwindet in einer Wolke aus Ru\u00df und Schwefel.<\/p>\n<p>Und von dem Schrei bin ich dann wieder aufgewacht.<\/p>\n<p>Schade.<\/p>\n<p>Ich h\u00e4tte sie noch so gerne gefragt, ob sie wirklich daran glaubt, dass der Herr \u2013 \u00e4h, Dingsbums aus Kanada, also ob der tats\u00e4chlich etwas reissen wird, bei den Auftritten, die er liefert.<\/p>\n<p>Und ob sie auch glaubt, dass die Gr\u00fcnen in K\u00e4rnten Leute suchen, die bei der n\u00e4chsten Landtagswahl ihre Infost\u00e4nde betreuen sollen. Gegen Geld. Also gegen <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/notes\/die-gr\u00fcnen-k\u00e4rnten\/wanted-aktivistinnen\/10151250262173594\" target=\"_blank\">Entgelt<\/a>. Weil jetzt haben sie doch eh\u2019 so viel Geld, nach der Erh\u00f6hung der Parteienf\u00f6derung. Aber vielleicht ist das alles nur eine b\u00f6se Unterstellung. Deshalb hab\u2019 ich sie ja auch fragen wollen &#8230; jetzt ist sie weg. Und ich bin wieder allein.<\/p>\n<p>Aber dass die Gr\u00fcnen in K\u00e4rnten, trotz\u00a0 mehrmaliger Bitte, mit uns immer noch nicht reden, das kann ich best\u00e4tigen. Offenbar sind Piraten nicht satisfaktionsf\u00e4hig, oder irgendwie so.<\/p>\n<p>Der neue SPD-Spitzenkandidat in Deutschland \u2013 wie bitte? Ja, genau der, der die Schweiz mit der afrikanischen Stadt Ouagadougou verglichen hat, also der weltgewandte Herr Steinbr\u00fcck, hat ja auch schon \u00f6ffentlich angek\u00fcndigt, egal wie die n\u00e4chste Bundestagswahl ausgeht, mit den Piraten rede er nicht, \u201eDie Piraten werden nicht regieren wollen &#8211; und k\u00f6nnten es auch nicht\u201c, sagte er der <a href=\"http:\/\/de.reuters.com\/article\/domesticNews\/idDEBEE88T00120120930\" target=\"_blank\">\u201eWelt am Sonntag\u201c<\/a> am vergangenen Wochenende.<\/p>\n<p>Ich denke mir, die sollten wir alle eines Besseren belehren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>PS: Haben Sie jetzt in Wikipedia unter Heidegger nachgeschaut, oder Thomas von Aquin? Ja, ja, das ewige Bildungsb\u00fcrgertum. \ud83d\ude42<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Gestern Abend\u00a0bin ich wieder einmal im Lehnsessel eingeschlafen und nicht, wie sich das f\u00fcr einen anst\u00e4ndigen B\u00fcrger geh\u00f6rt, im Bett, m\u00f6glichst ausgezogenerweise. Also mit einem z\u00fcchtigen Schlafanzug, nat\u00fcrlich, weil das nackert schlafen geh\u00f6rt sich ja auch nicht. Das macht die Bettw\u00e4sche so schmutzig, hat schon meine Mami gesagt. 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