{"id":125,"date":"2012-09-16T23:19:34","date_gmt":"2012-09-16T23:19:34","guid":{"rendered":"http:\/\/weblog.igler.at\/blog\/?p=125"},"modified":"2012-09-16T23:19:34","modified_gmt":"2012-09-16T23:19:34","slug":"ahoi-kameraden-oder-warum-ich-jetzt-bezirksparteiobmann-geworden-bin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/weblog.igler.at\/?p=125","title":{"rendered":"Ahoi, Kameraden oder Warum ich jetzt Bezirksparteiobmann geworden bin"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich bin nicht mehr der J\u00fcngste, dar\u00fcber brauchen wir erst gar nicht diskutieren.<\/p>\n<p>Ich habe viel erreicht und habe oft versagt, ich habe viel gesehen und viel gelernt, und manchmal kommen so Augenblicke, da hat man das Gef\u00fchl, jetzt sei wieder einmal eine Zwischenbilanz notwendig.<\/p>\n<p>In all diesen Jahren hab\u2019 ich an vielen verschiedenen Orten auf diesem Globus gelebt, daneben aber immer wieder in einem Land, in dem es tats\u00e4chlich einen funktionierenden Gesellschaftsvertrag gab, einen halbwegs ertr\u00e4glichen, und das mich als Mitglied akzeptiert. Von wegen Gnade der Geburt und so, ich bin halt da geboren. Und da hat man mich zw\u00f6lf Jahre in die Schule gehen und dann auch noch studieren lassen, zehn Jahre lang, und das f\u00fcr lau, das kann auch nicht jeder von sich sagen. Sp\u00e4ter durfte ich dann den Beruf aus\u00fcben, den ich mir ausgesucht hab, ich hab\u2019 hier Kinder in die Welt gesetzt und sie erwachsen werden gesehen \u2013 kurzum: Meine Heimat \u00d6sterreich war immer so eine Art sicherer Schutzhafen, wo man mich versichert und krankheitsm\u00e4\u00dfig immer (wieder) ordentlich zusammengeflickt hat, wo ich immer zur\u00fcck kommen konnte, egal aus welchem Winkel dieser Erde, so was ist an den deprimierenderen Orten dieser Welt h\u00f6chst tr\u00f6stlich. Und \u00fcberhaupt.<\/p>\n<p>Und manchmal \u00fcberkommt mich so das Gef\u00fchl, ich sollte vielleicht jetzt noch was zur\u00fcck geben, dieser Gesellschaft, die ihren Teil des Vertrages bisher ganz anst\u00e4ndig erf\u00fcllt hat. Weil sehr viel sp\u00e4ter als jetzt ist leicht m\u00f6glich, dass nix mehr wird, um es auf K\u00e4rntnerisch auszudr\u00fccken. Das also erstens.<\/p>\n<p>Und k\u00e4rntnerisch wohl auch, weil die beste aller Ehefrauen \u2026 und jetzt lebe ich eben in K\u00e4rnten.<\/p>\n<p>Ja, das ist nicht immer so einfach. Und hat eigentlich eher wenig damit zu tun, dass ich Wiener bin oder zumindest dort geboren, was man an meinem Zungenschlag, zumindest in Deutsch, bis an mein Lebensende h\u00f6ren wird. Na ja, egal, Karntn eben, sch\u00f6n guttural hinten aussprechen, aber nicht so weit hinten wie die Tiroler \u2026 egal. Wird eh\u2019 nix.<\/p>\n<p>Die Sprache ist nicht das einzige Gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftige, in \u00d6sterreich s\u00fcdlichstem Bundesland. Obwohl sie echt interessante Aspekte hat, zum Beispiel die des Auslassens. So wie in: Weasd d\u00e5nn Kl\u00e5genfuad gehn? Jo, lei no kamod Mahd mochn. F\u00fcr mich, des lokalen Zungenschlags nicht so m\u00e4chtig, ist so was eine echte Kommunikationsh\u00fcrde.<\/p>\n<p>Den politischen Alltag, also den in K\u00e4rnten, wollen wir \u2013 wenn wir schon von gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig reden \u2013 erst gar nicht erw\u00e4hnen, schon von wegen gar nicht so viel essen k\u00f6nnen wie kotzen wollen. Das also zweitens, die Details erspare ich dem geneigten Leser und mir hier, weil unappetitlich und \u00fcberhaupt und au\u00dferdem wei\u00df eh\u2019 jeder.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens und au\u00dferdem wird mir daf\u00fcr erst jetzt so langsam klar, dass ich meine n\u00e4chste Landtagswahlstimme nicht mehr in Wien, sondern in K\u00e4rnten abgeben werde, weshalb sich mir eine ganz konkrete Frage stellt, abseits aller Schriftstellereien und fr\u00f6hlichem Wortgeschmiede. N\u00e4mlich: Wen, oder von mir auch auch was, w\u00e4hlen?<\/p>\n<p>Da werden Luft ebenso wie Schm\u00e4h sehr schnell sehr d\u00fcnn.<\/p>\n<p>Gehen wir es einmal ganz pragmatisch von oben herunter: Die *spuck* Blauen kann man erstmal streichen, ebenso das orangene Pendant. Die Schwarzen? Are you kidding? Die Roten? In K\u00e4rnten? Die mit dem Landeshauptmann Wagner den Grundstein gelegt haben f\u00fcr das ganze hier, Jahrzehnte lang? Und die heute noch mit packeln? Sorry, Genossen, no way.<\/p>\n<p>Dabei, nur so als extempore: Ich bin ja mit dem Seppi Cap in die Volksschule gegangen, gemeinsam ministriert hamma auch, beim Studieren haben wir uns wieder getroffen, er beim \u2013 damals noch wilden \u2013 VSST\u00d6, und ich gebe zu, ich habe ihn <a href=\"http:\/\/www.kleinezeitung.at\/nachrichten\/politik\/2914719\/sp-urgestein-josef-cap-60.story\">damals<\/a> auch gew\u00e4hlt. Und wenn ich mir anschau&#8216;, <a href=\"http:\/\/orf.at\/stories\/2141169\/2141046\/\" target=\"_blank\">heute<\/a> \u2026 es ist echt ein Jammer. Soviel zu den Sozis.<\/p>\n<p>Den Stronach? Really? Are you serious? Ah ja, eh&#8216; nicht.<\/p>\n<p>Und dann?<\/p>\n<p>Dann bleiben noch die Gr\u00fcnen.<\/p>\n<p>Lange Pause.<\/p>\n<p>Jetzt schaun s\u2019 ned so betreten, ich mag die eh\u2019 auch nicht. Aus verschiedenen Gr\u00fcnden, wahrscheinlich andere als die Ihren, aber Gedanken sind bekanntlich frei.<\/p>\n<p>Haupts\u00e4chlich kann ich mit den Gr\u00fcnen deshalb so schwer, weil mich ihre grunds\u00e4tzliche Technophobie st\u00f6rt. Ich bin ein alter Hippie, f\u00fcr uns war Technologie immer ein Teil der L\u00f6sung, nicht ein Teil des Problems. Das Problem lag immer in der Anwendung. Doch dann kam<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kernkraftwerk_Three_Mile_Island\" target=\"_blank\"> Three Mile Island<\/a>, und dann kam <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Katastrophe_von_Tschernobyl\" target=\"_blank\">Tschernobyl<\/a>, und seither ist Technik eher etwas Unanst\u00e4ndiges geworden.<\/p>\n<p>Oder, wie ein Kollege j\u00fcngst gepostet hat: \u201eFr\u00fcher standen die Gr\u00fcnen f\u00fcr Doors h\u00f6ren und dogmatisch sein. Heute haben sie das mit den Doors halt aufgegeben.\u201d<\/p>\n<p>Das hat sicher auch etwas mit diesem neuen Biedermeier zu tun, dieser Landleben-Euphorie, der ich, obwohl ich jetzt bei den Bauern im K\u00e4rnter Unterland lebe, nicht sehr viel abgewinnen kann. Eigentlich gar nichts, denn es ist so fake, dass es schmerzt. Aber den Leuten gef\u00e4llt\u2019s. Egal: Ich glaube nicht daran. Die H\u00e4lfte der Menschheit lebt schon heute in St\u00e4dten, das ist ein langfristiger Trend, wo der aufh\u00f6ren wird, wei\u00df man nicht so recht, aber ohne High-tech wird das nicht abgehen, so weit ist das heute schon klar.<\/p>\n<p>Und wir werden daher die Probleme dieser Zukunft nicht mit silofreien Milka-K\u00fchen auf gl\u00fccklichen Bio-Wiesen l\u00f6sen (Nur mit Kuhschei\u00dfe ged\u00fcngt? Ja nat\u00fcrlich!), auch nicht gentechnikfrei, was immer das genau bedeuten mag. Egal, dar\u00fcber lie\u00dfe sich noch diskutieren, aber \u00fcber diese kategorische Ablehnungshaltung eben leider nicht. Oder, um es kurz zu fassen: Mit der M\u00fcslifaschisten-Fraktion bei den Gr\u00fcnen kann ich echt nicht. Sorry, Freunde, ich respektiere eure Meinung respektive Haltung, aber mitmachen? Nein, danke.<\/p>\n<p>Dann k\u00f6nnte man noch argumentieren, so einer wie Du sollte die Realo-Fraktion unterst\u00fctzen, genau solche wie Dich brauchen wir.<\/p>\n<p>Also gut, schauen wir uns die K\u00e4rntner Gr\u00fcnen an.<\/p>\n<p>Die sitzen schon seit zwei Legislaturperioden im Landtag. Und nu, Oskar? Viel bewegt haben die dort nicht. Mir ist jedenfalls keiner aufgefallen.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr haben sie jetzt den Herrn Holub <a href=\"http:\/\/kaernten.orf.at\/news\/stories\/2550153\/\" target=\"_blank\">recycled<\/a>, der tritt jetzt als der n\u00e4chste gro\u00dfe Aufdecker auf, sozusagen als Peter Pilz von K\u00e4rnten, als Johanna von Orl\u00e9ans f\u00fcr Arme (aka die Steuerzahler), oder lieber als die Heilige Johanna der Schlachth\u00f6fe? (Oder doch Johanna die Wahnsinnige?) Jedenfalls will er \u201ejedes Dokument, dass die Br\u00fcder Scheuch nicht geschreddert haben, nachpr\u00fcfen.\u201c Wenn ich mir so die Arbeit der Korruptionsstaatsanwalt anschau\u2019, wird der Herr Holub daf\u00fcr mehr als eine Legislaturperiode brauchen, um zum regieren wird er auch nicht viel kommen, obwohl er in die Landesregierung will. Und dort w\u00e4re einiges zu machen, die Schulden des Landes K\u00e4rnten etwa, die in den letzten f\u00fcnf Jahren um <a href=\"http:\/\/kaernten.orf.at\/news\/stories\/2536725\/\" target=\"_blank\">100 Prozent gestiegen<\/a> sind \u2013 man liest richtig, sie haben sich verdoppelt. Aber Wirtschaftskompetenz ist traditionell bei den Gr\u00fcnen nicht wirklich zu verorten, w\u00fcrde mein alter Professor sagen, aka davon haben sie nicht so viel Ahnung. Oder es ist ihnen wurscht. Und au\u00dferdem: Kapitalismuskritik ist viel lustiger, und schick isses auch noch, also was jetzt?<\/p>\n<p>Mmh.<\/p>\n<p>Ich bin dann doch Wirtschaftsjournalist, wenngleich ein eher linker. Also diese seltene, weil gern unterdr\u00fcckte Spezies von einem Sozi, der auch was von Wirtschaft \u2026<\/p>\n<p>Hab\u2019 ich schon gesagt, dass ich die Gr\u00fcnen dann doch auch nicht \u2026 ?<\/p>\n<p>Und nu?<\/p>\n<p>Hier wird\u2019s eng.<\/p>\n<p>Die meisten der Freunde, die mir bis hier gefolgt sind, gingen anschlie\u00dfend in die innere Emigration. Das wollte ich nicht.<\/p>\n<p>Bleibt nur: Selber was machen. Oder hat wer einen anderen Vorschlag?<\/p>\n<p>Und dann gibt es eben die <a href=\"http:\/\/piratenpartei.at\/\" target=\"_blank\">Piraten<\/a>. (Jetzt isses raus. Egal, dass ich die mag, hab\u2019 ich hier schon geblogged, also darf das nicht so \u00fcberraschen.)<\/p>\n<p>Also gut, schauen wir uns die Piraten an.<\/p>\n<p>Wie gesagt, ich schrub das hier schon: Hoffentlich gelingt den Piraten mit der digitalen Revolution, was den Gr\u00fcnen mit der \u00d6kologie geschafft haben, n\u00e4mlich im politischen Mainstream anzukommen. Weil das eine ebenso wichtig ist wie das andere. Und dabei \/m\u00fcssen\/ die so sein, wie sie sind, weil sonst kann das nicht funktionieren.<\/p>\n<p>Daneben fordern sie noch ein paar Dinge, mit denen ich gut kann. Die Entkriminalisierung von Drogen etwa, das fordert auch der britische Economist, weil nur das der weltweiten (und immer bedrohlicher werdenden) Drogenkriminalit\u00e4t die Existenzgrundlage entzieht, im Grunde eine alte Forderung, muss man immer wieder stellen. Nur wer S\u00fcchtige als Kranke sieht, hat eine Chance, der Situation Herr zu werden.<\/p>\n<p>Und dieses bedingungslose Grundeinkommen, h\u00e4h? Das ist doch pure Sozialromantik, ist das. *b\u00f6rp*<\/p>\n<p>Nein, ist es nicht. In Wirklichkeit gibt es so etwas \u00c4hnliches schon, es hei\u00dft Grundsicherung. Aber es ist kein Recht, sondern eine Gnade. Eine soziale Gnade Deiner Heimatgemeinde.<\/p>\n<p>W\u00fcrde man alle diese Gelder, die man da heute ausgibt, zusammenfassen, w\u00e4re das durchaus finanzierbar. Und als Denkansatz ist es politisch interessant: Sozial Handeln als Rechtsprinzip, nicht als Gnadenprinzip, das gefiele mir.<\/p>\n<p>Kurzum: Ich kann mich mit dem <a href=\"http:\/\/kaernten.piratenpartei.at\/politik-2\/piratenkodex\/\" target=\"_blank\">Piratenkodex<\/a> durchaus identifizieren.<\/p>\n<p>Und dann gibt es noch ein paar Aspkte, zum Beispiel die Arbeitsgruppe KMU, oder der Einsatz f\u00fcr freie Mitarbeiter, vor allem in den Medien, und noch ein paar so Sachen.<\/p>\n<p>(Kommen Sie doch \u00f6fter hier vorbei, dann k\u00f6nnen Sie noch viel mehr dar\u00fcber erfahren. &lt;\/Werbung&gt;)<\/p>\n<p>Und deshalb bin ich den <a href=\"http:\/\/kaernten.piratenpartei.at\/\" target=\"_blank\">Piraten<\/a> beigetreten.<\/p>\n<p>Eigentlich war das schon im Oktober 2010, und damit bin ich wahrscheinlich der dienst\u00e4lteste Pirat in K\u00e4rnten, aber irgendwie war das mit den Piraten in \u00d6sterreich nicht so, wie es sein sollte, und deshalb war da eine Zeitlang nix.<\/p>\n<p>Doch jetzt gab es den konstituierenden <a href=\"http:\/\/kaernten.orf.at\/news\/stories\/2550166\/\" target=\"_blank\">Landesparteitag<\/a>, und seither bin ich aktiv. Und zum Bezirksobmann K\u00e4rnten Unterland gew\u00e4hlt worden. Und mache erstmal die Pressearbeit. Und, wenn wir schon dabei sind: Das heisst jetzt Landesgeneralversammlung. Damit es sich von den anderen Parteien abhebt.<\/p>\n<p>Irgendwie w\u00fcrde mir ja gefallen, wenn bei der n\u00e4chsten Landtagswahl \/sowohl\/ die Piraten als auch die Gr\u00fcnen in den Landtag k\u00e4men. Obwohl, sicher ist das beileibe nicht. Aber m\u00f6glich w\u00e4re es. Vielleicht k\u00f6nnte man dann tats\u00e4chlich etwas bewegen *tr\u00e4um*<\/p>\n<p>Ich sagte ja schon, ich bin ein alter Hippie.<\/p>\n<p>Habe ich schon erw\u00e4hnt, dass die Gr\u00fcnen bei der exorbitanten Erh\u00f6hung der <a href=\"http:\/\/ktnv1.orf.at\/stories\/368328\" target=\"_blank\">Parteienf\u00f6rderung<\/a> in K\u00e4rnten \u00a0im Landtag mitgestimmt haben? Daf\u00fcr, n\u00e4mlich. Die Unschuld haben sie damit jedenfalls verloren, meine gr\u00fcnen Freunde. Mal schauen, ob sie bei der (dann doch) geplanten\u00a0<a href=\"http:\/\/kaernten.orf.at\/news\/stories\/2532628\/\" target=\"_blank\">R\u00fccknahme<\/a> auch mit Ja stimmen werden.<\/p>\n<p>Ach ja, Rolf Holub, Spitzenkandidat der Gr\u00fcnen, verweigert im Moment\u00a0den Piraten den Dialog. Sprich: Fr\u00fcher hat man gerne und viel miteinander geredet, und mehr. Aber jetzt laufen die Piraten auf seiner Sekret\u00e4rin (sic!) auf. Ein Schelm, wer Schlechtes davon denkt.<\/p>\n<p>Na ja, hoffen wir, dass das noch was wird.<\/p>\n<p>Ich werde berichten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Ich bin nicht mehr der J\u00fcngste, dar\u00fcber brauchen wir erst gar nicht diskutieren. Ich habe viel erreicht und habe oft versagt, ich habe viel gesehen und viel gelernt, und manchmal kommen so Augenblicke, da hat man das Gef\u00fchl, jetzt sei wieder einmal eine Zwischenbilanz notwendig. 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